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Woher die Hirsch-Apotheke ihren Namen hat

Von Dr. Annegret Haars

1780 In dem nach dem großen Brand von Goslar neu errichteten stattlichen Haus am Schuhhof wird eine Drogen- und Kräuterhandlung eröffnet, die auf breiten Zuspruch der Goslarer Bevölkerung stößt.

1800 übernimmt der Apotheker J. A. Meinecke diese Drogenhandlung.

1808 darf sein Nachfolger, der Apotheker J. W. Osten die Drogenhandlung nach der von König Jerome von Westfalen (ein Bruder Napoleon Bonapartes) proklamierten Gewerbefreiheit endlich "Apotheke" nennen und somit das Monopol der städtischen Apotheke brechen.

1840 übernimmt Carl Ludwig Hirsch diese Apotheke und verleiht ihr seinen Namen. "Hirsch" bezieht sich also nicht, wie man erwarten sollte, auf den Hirschen als Heils- und Auferstehungssymbol, wie das bei anderen Apotheken der Fall ist.

1842 Nach dem frühen Tod von C. L. Hirsch verkauft seine Witwe die Apotheke für 15 000 Reichstaler an ihren Schwager Carl August Wilhelm Hirsch, der die Apotheke so gut führt, dass es in einem königlichen Revisionsprotokoll aus dem Jahre 1847 heißt: "Die beiden Apotheken in Goslar gehören unstreitig zu den besten des Königreiches (Hannover)". Bis 1865 hat C. A. W. Hirsch den Umsatz von anfänglich 3000 Reichstaler auf 6114 Reichstaler gesteigert (Damals gab es noch keine Gesundheitsreformen!).

1866 kauft Apotheker Adolph Schumacher die Hirsch-Apotheke für 22 000 Reichstaler und verkauft sie nach 17 Jahren …

1883 … an meinen Urgroßonkel, den Apotheker Adolph Haars für 30 000 Reichstaler. Dieser übernimmt die Herstellung der weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt gewordenen Arzneispezialitäten des "Kräuterdoktors" Lampe. Zu den Patienten gehörte insbesondere König Georg V. von Hannover mit seiner Familie.

Auch heute stellen wir das Lampe`sche Kräuterelixier (dessen purgierender Effekt vielleicht auch manchem regenschirmschwingenden Welfenspross gut tun würde) nach altem überlieferten Rezept her.

1907 übernimmt mein Großonkel Dr. Otto Haars die väterliche Apotheke und führt sie zum Wohl seiner Patienten mit großem persönlichem Einsatz durch zwei Weltkriege. Sein stattliches Reiterbild hängt heute noch im Treppenhaus. Ob er damals allerdings auch schon Arzneimittel zu Pferd ausgeliefert hat, ist leider nicht überliefert.

 

1947 Nach seinem Tode tritt mein Vater Hans-Jürgen Haars die Nachfolge an. Er verbindet notwendige Modernisierungen in einer glücklichen Harmonie mit dem Erhalt und der Akzentuierung des einmaligen Biedermeier-Ensembles.

1995 leite ich nach mehrjährigem Ausflug in Wissenschaft und Forschung die väterliche Apotheke mit der festen Absicht, dieses schöne und traditionsreiche Haus zum Wohle unserer geschätzten Kunden weiterzuführen.